Zebra Harnischwelse

Zebra Harnischwelse

In Anlehnung meines Berichtes aus November 2020 veröffenliche ich mit freundlicher Genehmigung des Zoologischen Zentral Anzeiger (ZZA) nachfolgenden im Juli 2021 erschienen Bericht mit dem gleichen Thema.

Foto: Ingo Seidel

Zebra-Harnischwelse sind bei Aquarianern sehr beliebt. Ihr Export aus Südamerika ist aber verboten, die Nachzucht aufwändig und wenig ergiebig. Zoologe Dr. Stefan Hetz hat sich mit Ursula Glaser-Dreyer von Aquarium Glaser und Professor Leandro Melo de Sousa über den Handel mit dieser Art unterhalten.

Vor ungefähr 35 Jahren – ich arbeitete damals während meines Studiums als Aushilfe in einem Zoofachgeschäft – hatte ich das erste Mal Bekanntschaft mit den knapp zehn Zentimeter großen Zebra-Harnischwelsen (Hypancistrus zebra) gemacht. Diese waren schon damals was ganz Besonderes, sehr attraktiv, damals sehr selten und mit 200 Mark nicht gerade die Preislage für einen Biologiestudenten.

Bei Aquarianern habe ich erfolgreiche Zuchten gesehen und in der Exopet-Studie stand diese Art gar auf Platz 14 der Meldungen zu gehaltenen Süßwasserfischen. Hypancistrus zebra kommt nur in einem begrenzten Areal nahe Altamira am Xingu in Brasilien vor, im Einzugsgebiet des Belo Monte Staudammes. Die Art wächst langsam, wird spät geschlechtsreif und hat relativ kleine Gelege. Auch deshalb wurde sie im Jahre 2004 unter Schutz gestellt. Ihr Export aus Brasilien ist illegal.

Studie: Wie wird illegal exportiert?

Eine vor kurzem erschienene Studie von Leandro Melo de Sousa und anderen fasst das Wissen über diese Art zusammen und geht unter Einbeziehung verschiedener Quellen der Frage nach, warum und auf welchen Wegen die Art trotz des Verbotes illegal aus Brasilien exportiert wird. Sie zeigt auch Möglichkeiten auf, diese Flaggschiff-Art zu erhalten, unter anderem durch den Schutz ihres Lebensraums, eine bessere Ausstattung der Überwachungs- und Vollzugsbehörden und die Entscheidung von Käufern, auf den Kauf verbotener illegaler Wildfänge zu verzichten.

Dr. Stefan Karl Hetz: Frau Glaser-Dreyer, sie leiten einen großen Importbetrieb für Fische. Was kostet heutzutage ein Zebra-Harnischwels im Zoofachhandel? Gibt es dort überhaupt welche zu kaufen?

Ursula Glaser-Dreyer: Preise kann ich keine nennen. Es kommt aber sicher auf die Größe der angebotenen Tiere an, da sie sehr langsam wachsen, und ob sie von deutschen oder europäischen Züchtern oder aus asiatischen Zuchtfarmen stammen. Naturentnahmen dürften keine im Handel sein, da es illegal ist, Hypancistrus zebra aus Brasilien oder anderen südamerikanischen Ländern zu importieren. Soweit wir wissen, gibt es aber auch Bestrebungen einer Zierfischfarm in Brasilien, eine Nachzuchtstation genehmigt zu bekommen.

Welche Rolle spielen Zebra-Harnischwelse heute im Zierfischgroßhandel? Gelangen überhaupt Tiere nach Deutschland?

Glaser-Dreyer: Es handelt sich nach wie vor um einen der attraktivsten „L-Welse“ und wenn wir als Großhandel Nachzuchttiere zu einem vertretbaren Preis angeboten bekommen, haben wir ihn auch im Sortiment. Da wie schon erwähnt die Nachzucht sehr aufwändig und wenig ergiebig ist, sind die Preise verhältnismäßig hoch und so hält sich die Nachfrage in Grenzen.

Die oben zitierte Arbeit zeigt ja auch, dass ein geringer Teil der Tiere illegal in die EU importiert werden. Warum ist das so?

Glaser-Dreyer: Da wird wohl nur gehofft, das schnelle Geld verdienen zu können, und nicht daran gedacht, welchen Schaden das unserer ganzen Branche zufügt. Wir, und ich denke da spreche ich für alle Großhändler, die im ZZF organisiert sind, distanzieren uns von den illegalen Wildfang-Importen.

Warum greift man nicht auf Nachzuchten zurück? Was ist das Besondere an Wildfängen?

Glaser-Dreyer: Grundsätzlich ist der Handel mit Naturentnahmen wichtig für den Zierfischmarkt, für die Fischerleute und Exporteure vor Ort, denn die Wertschöpfung an den biologischen Ressourcen findet dann auch in den Herkunftsländern der Zierfische statt – warum aber Hypancistrus zebra nicht gefangen werden darf, kann sicher Professor Sousa besser beantworten.

Nachfrage kann von Züchtern bedient werden

Leandro, kannst Du uns sagen, warum so hohe Zahlen an Zebra-Harnischwelsen illegal gehandelt werden? Ihr sprecht in der Studie von geschätzt mehreren 10.000 pro Jahr.

Leandro Melo de Sousa: Das ist eine gute Frage und einer der Gründe für die Studie. Eigentlich gibt es keinen guten Grund, da die Nachfrage durch professionelle Züchter bedient wird, die ihre Zuchtkapazitäten auch erhöhen könnten. Möglicherweise ist es halt gerade die Gefährdung und die Illegalität, die diese Attraktivität ausmacht. Bei anderen geschützten Arten hat man ähnliche Reaktionen gesehen.

Warum ist der Export illegal? Ist die Art gefährdet?

Sousa: Die Art steht auf der brasilianischen Roten Liste, nach IUCN-Kriterien ist sie kritisch gefährdet. Die Art kommt nur in einem kleinen Gebiet vor und die Fischer kennen die Vorkommen sehr genau. Der Belo Monte Damm hat zudem das Fließregime des Xingu stark verändert. Wir müssen derzeit beim Schutz an den Faktoren angreifen, die wir ändern können – den Schmuggel.

Was ist Deine Rolle bei der Erforschung und dem Schutz der Fische im Xingu?

Sousa: Ich forsche vor allem auf dem Gebiet der Taxonomie von Welsen. Deswegen bin ich auch viel mit Fischern und Zierfischfängern draußen und dokumentiere den Fang und Transport der Fische bis zum Exporteur in Belem oder Manaus. Daneben kümmere ich mich auch um ein Zuchtprogramm für gefährdete Fische, wie Hypancistrus zebra.

Das Gebiet des Xingu um Altamira ist ja auch bekannt für nachhaltigen Fischfang. Ich selbst habe bei meinem Besuch der Fänger keine Zebra-Harnischwelse gesehen. Wie ist der illegale Handel organisiert und wie kann die Regierung ihn verhindern?

Sousa: Der legale Fang von Zierfischen als Wildfänge schafft am Xingu – wie auch in anderen Gebieten Amazoniens – Einkommen für Hunderte von Familien. Je höher die Diversität an legal gefangenen Zierfischen ist, desto weniger Druck wird auf einzelne Arten ausgeübt. Dazu gibt es viele Faktoren, wie Saisonalität und Forderungen des Handels. Wenn nur wenige Arten gefragt werden, dann wird der Druck auf diese Art erhöht und dem Fischer bleiben nur wenige Arten. Letzendlich schafft der Käufer den Anreiz. Die Wege des illegalen Handels sind die gleichen wie für andere illegale Produkte: Drogen und Waffen. Brasilien sollte deshalb die Aquakultur und die Vermarktung von in der Natur gefährdeten Arten erlauben und fördern und so den Druck von den gefährdeten Arten nehmen.

Anmerkung meinerseits:

Eine kleine Zuchtgruppe ist bei mir noch vorhanden (Deutsche Nachzuchttiere aus dem Jahr 2013). Sehr gerne gebe ich diese Tiere an einen intressierten, erfahrenen Züchter ab. Anfragen erbitte ich unter “Kontakt” zwecks Terminabsprache.

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